Siliziumkarbid (SiC/SSiC) – Hochleistungskeramik für extreme Bedingungen
Siliziumkarbid (SiC), auch Siliciumcarbid oder Siliziumcarbid, zählt zu den wichtigsten Hochleistungskeramiken der Industrie. Der Werkstoff kombiniert extreme Härte, sehr hohe Temperaturbeständigkeit und eine ausgezeichnete chemische Resistenz mit einer vergleichsweise geringen Dichte. Diese Eigenschaftskombination macht SiC besonders geeignet für Anwendungen, in denen Metalle aufgrund von Verschleiß, Korrosion oder Temperaturbelastung versagen und Kunststoffe ihre mechanischen Grenzen erreichen.
Innerhalb der Werkstofffamilie Siliziumkarbid setzt die KYOCERA Fineceramics Europe GmbH vor allem zwei Varianten ein:
- Gesintertes Siliziumkarbid (SSiC) als dichtgesinterte, maximal belastbare Keramik für höchste mechanische, chemische und thermische Beanspruchung.
- Siliziuminfiltriertes Siliziumkarbid (SiSiC) als reaktionsgebundene SiC-Variante mit hervorragender Maßhaltigkeit, prädestiniert für komplexe und großformatige Bauteile.
Für Anwendungen mit extremen Temperaturen, hoher Festigkeit und maximaler Dichte steht meist SSiC im Fokus, während SiSiC seine Stärken bei maßkritischen, komplexen Geometrien ausspielt.
Herstellungsprinzip – Dichtgesinterte Hochleistungskeramik (SSiC)
Gesintertes Siliziumkarbid (SSiC) entsteht in einem Sinterprozess bei Temperaturen über 2.000 °C. Es entsteht ein nahezu vollständig dichter Werkstoff mit einer Dichte von über 99 %.
Das Ergebnis:
- Nahezu porenfreie Mikrostruktur
- Hohe Biegefestigkeit und Druckfestigkeit
- Außergewöhnliche Härte
- Ausgeprägte chemische Resistenz gegenüber vielen aggressiven Medien
SSiC bleibt selbst unter extremen thermischen und mechanischen Bedingungen formstabil und eignet sich daher für Bauteile, die dauerhaft hohen Belastungen ausgesetzt sind.
Umfassendes SiC-Werkstoff-Know-how
Als Teil des globalen Kyocera-Konzerns verfügt wir über jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von Siliziumkarbid-Keramiken. Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie bei der Auswahl des passenden Siliziumkarbid-Werkstoffs und beim Design Ihrer Komponenten.
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Einsatz in anspruchsvollen Anwendungen
Seine Kombination aus Festigkeit, Maßhaltigkeit und Korrosionsbeständigkeit macht SSiC in einer Vielzahl von Branchen unverzichtbar:
Halbleiterindustrie
In der Halbleiterfertigung ist höchste Maßstabilität und thermische Beständigkeit entscheidend.
SSiC wird für Bauteile eingesetzt, die sehr hohe thermische, chemische oder mechanische Belastungen tolerieren müssen.
Typische Anwendungen:
- Komponenten in thermischen Prozessschritten
- Struktur- und Trägerbauteile
- Bauteile in Plasmaanwendungen


Materialverarbeitende und chemische Industrie
In chemischen und prozesstechnischen Anlagen wird SiC aufgrund seiner Korrosions- und Verschleißfestigkeit geschätzt.
Typische Anwendungen:
- Reaktionsrohre und Strahlungsrohre
- Düsen, Ventileinsätze, Diffusoren
- Komponenten in stark korrosiven oder abrasiven Medien
- Mahlzylinder, Walzenmäntel, Rohre und Auskleidungen
SiC bietet lange Standzeiten und Prozesssicherheit in Umgebungen, in denen metallische Werkstoffe schnell an ihre Grenzen stoßen.
Energie- und Umwelttechnik
Siliziumkarbid eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen hohe Temperaturen, thermische Zyklen und aggressive Abgase auftreten.
Typische Anwendungen:
- Bauteile in Abgassystemen
- Wärmetauscherkomponenten
- Filtergehäuse, Trägerplatten und hitzebelastete Strukturbauteile


Maschinenbau
Im Maschinen- und Anlagenbau liefert SSiC klare Vorteile bei hohen Gleitgeschwindigkeiten, abrasiven Medien und tribologisch anspruchsvollen Prozessen.
Typische Anwendungen:
- Gleitlager, Gleitringe, mechanische Dichtungen
- Pumpen- und Kompressorbauteile
- Mühlen- und Mischerelemente, Verschleißteile
SiC reduziert Wartungsaufwand und erhöht die Lebensdauer von Maschinen deutlich.
Automobilindustrie
In automobilen Hochtemperatur- und Verschleißbereichen wird SiC zunehmend als Leichtbau- und Funktionswerkstoff eingesetzt.
Typische Anwendungen:
- Komponenten der Abgasnach- und Abgasbehandlung
- Struktur- und Funktionsteile mit hohen Temperatur- und Festigkeitsanforderungen


Luft- und Raumfahrt
Dort, wo geringes Gewicht, hohe Steifigkeit und Temperaturwechselbeständigkeit gefordert sind, bietet Siliziumkarbid deutliche Vorteile.
Typische Anwendungen:
- Präzise optische und strukturelle Bauteile
- Thermisch hochbelastete Komponenten
- Leichte, steife Trägerstrukturen für hochdynamische Systeme
Vorteile von Siliziumkarbid (SiC/SSiC) auf einen Blick
- Extrem hart und verschleißfest – ideal für abrasive Medien und hohe mechanische Belastungen
- Hohe Temperatur- und Oxidationsbeständigkeit – formstabil bis in den Hochtemperaturbereich
- Chemisch inert gegenüber vielen Medien – für aggressive, korrosive Umgebungen geeignet
- Sehr gute Wärmeleitfähigkeit bei geringer Dichte – leicht und gleichzeitig thermisch leitfähig
- Niedrige elektrische Leitfähigkeit – geeignet für elektrische Separation
- Lange Lebensdauer und geringer Wartungsaufwand – höhere Anlagenverfügbarkeit und reduzierte Betriebskosten im Vergleich zu metallischen Werkstoffen
SSiC oder SiSiC? – Der richtige SiC-Werkstoff für Ihre Anwendung
Typische Stärken von SSiC:
- Höchste Dichte und Festigkeit
- Hohe Temperaturbeständigkeit bis etwa 1.600 °C bei oxidierender Atmosphäre
- Hervorragende chemische Resistenz, z. B. in der Chemie- und Prozessindustrie
Typische Stärken von SiSiC:
- Reaktionsgebundener Werkstoff mit sehr hoher Maßhaltigkeit
- Keine Schwindung während der Infiltration
- Besonders geeignet für große und komplexe Bauteile, ggf. auch in additiver Fertigung
Welche Variante sinnvoller ist, hängt von Temperaturlevel, Bauteilgeometrie, Medienbeständigkeit und wirtschaftlichen Anforderungen ab.


Eigenschaften von Siliziumkarbid im Vergleich zu anderen Keramikwerkstoffen
FAQ
Ja. Aufgrund seiner hohen Festigkeit, Härte und Verschleißbeständigkeit ist SSiC ideal für Bauteile geeignet, die hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, wie beispielsweise Dichtungen, Lager, Düsen und Pumpenkomponenten.
In vielen Anwendungen hält Siliziumkarbid Temperaturen von bis zu etwa 1.600 °C stand, ohne seine mechanischen Eigenschaften oder Maßhaltigkeit wesentlich zu verlieren. Der konkret zulässige Temperaturbereich hängt jedoch vom Einsatzmedium und den jeweiligen Betriebsbedingungen ab.
SSiC ist deutlich härter als Stahl, oxidiert nicht, behält auch bei hohen Temperaturen seine Form und zeigt keine plastische Verformung oder klassische Materialermüdung wie Metalle. Dadurch werden Standzeit und Prozesssicherheit signifikant erhöht.